Praktisch Deutsch lernen im Internet: Deutsche Märchen der Gebrüder Grimm

Wer sich mit der deutschen Sprache und Literatur beschäftigt, kommt an einem ganz besonderen Schatz nicht vorbei – dem weltberühmten Märchenschatz der Gebrüder Grimm. 2012 war es zweihundert Jahre her, dass die Grimm’sche Sammlung der „Kinder- und Hausmärchen“ erstmals erschien. Seither haben sich die Märchen über die ganze Welt verbreitet, wurden in über 160 Sprachen übersetzt und sind – nach der Lutherbibel – das meistgelesene und verbreiteste Buch der deutschen Kulturgeschichte. Auch heute noch erscheinen jedes Jahr, zahlreiche neue Ausgaben der Märchen mit wunderbaren Illustrationen.

Wer waren die Gebrüder Grimm?

Doch wer waren die Gebrüder Grimm, die diesen einflussreichen Schatz zusammentrugen? Waren es Märchenonkel, die, ermüdet vom steten Erzählen, die Märchen schließlich niederschrieben?

Jacob Grimm, geboren am 4. Januar 1785, und sein Bruder Wilhelm, geboren am 24. Februar 1786, waren die ältesten Kinder einer Pastoren- und Beamtenfamilie in Hanau, in Hessen. Sie waren praktisch ihr ganzes Leben lang unzertrennlich. Beide studierten ab 1802 (Jacob) bzw. 1803 (Wilhelm) Jura in Marburg/Lahn. Dort machte einer ihrer Professoren sie nicht nur mit der romantischen Literatur, sondern auch mit deren zwei großen Vertretern Clemens Brentano und Achim von Arnim bekannt. Von diesen lernten die Brüder Grimm, wie man historische und volkstümliche Texte sammelt und bearbeitet. So gaben sie vier Jahre nach Erscheinen ihrer Märchensammlung ihren ersten Band deutscher Sagen heraus.

Die Brüder Grimm hatten ein Faible für die Poesie des Volkes. Da sie erkannten, dass die mündliche Überlieferung zu ihrer Zeit bereits vom Aussterben bedroht war, beschlossen sie, möglichst viele Märchentexte schriftlich für die Nachwelt zu bewahren. Beim Zusammentragen ihrer Märchen fanden sie reichlich Unterstützung von über 50 Frauen und Männer aus dem Bildungsbürgertum, insbesondere aus Westfalen und Hessen. Diese stützten sich, wie die Brüder Grimm selbst, auch auf schriftliche Quellen, die mittelalterliche Legenden und Fabeln erzählten.

Aufzeichnung und Bearbeitung

Auch, wenn die beiden Brüder in ihrem Vorwort zu ihrer Märchensammlung den Eindruck erwecken wollen, dass sie die Texte originalgetreu aufgezeichnet hätten – ohne etwas hinzuzufügen oder zu verschönern – so haben die beiden Brüder die Märchen sehr wohl stilistisch bearbeitet, damit sie ihrer Vorstellung von „Volkspoesie“ entsprachen. Allein die Tatsache, dass die Märchen von der mündlichen in die schriftliche Form überführt wurden, machte eine Bearbeitung notwendig. Wenngleich die Grimm’schen Märchen als „typisch deutsche“ Literatur gelten, haben manche einen romanischen Ursprung und stammen aus Frankreich oder Italien.

Begründer der Germanistik

Ihr Interesse für die Literatur und ihre Veröffentlichungen waren die Grundlage für den beruflichen Werdegang der Brüder Grimm – den sie stets gemeinsam gingen. Ab 1814 war Wilhelm Grimm an der Bibliothek in Kassel als Sekretär tätig, Jacob ab 1816 dortselbst als Bibliothekar. 1819 erhielten sie die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg/Lahn. Die nächste Station im Leben der Brüder war Göttingen, wo Jacob 1830 erst Bibliothekar, anschließend Professor an der Universität Göttingen wurde. Wenig später zog Wilhelm nach.

Als König Ernst August II. von Hannover am 1. November 1837 bei seiner Thronbesteigung das 1833 erlassene Grundgesetz aufhob und einen absolutistischen Staat errichtete, protestierten die Brüder Grimm gemeinsam mit fünf weiteren Professoren – allesamt wurden ihrer Ämter enthoben.

1840 lud König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Jacob und Wilhelm Grimm auf Betreiben von Bettina von Arnim, Alexander von Humboldt, Friedrich Carl von Savigny, Karl Lachmann und anderen nach Berlin ein, wo die Brüder 1841 in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurden. Außer ihrer Tätigkeit als Sammler und Herausgeber der „Kinder- und Hausmärchen“ und der „Deutschen Sagen“ hatten die Brüder mit der Arbeit am „Deutschen Wörterbuch“ begonnen und Jacob schuf mit der „Deutschen Grammatik“, der „Deutschen Mythologie“ und den „Deutschen Rechtsalthertümern“ bahnbrechende Werke, die ihn gemeinsam mit seinem Bruder zu den Begründern der germanischen Philologie machten.

Wilhelm Grimm starb am 16. Dezember 1859 infolge eines Schlaganfalls. Jacob Grimm folgte ihm am 20. September 1863.